Menschen stimmen mit den Füßen ab

img 0508GRÜNE Lahnstein im Gespräch

In der Diskussion über globale Migrationsbewegungen betonen viele Akteure die Notwendigkeit potentielle Migrant*innen in ihren Herkunftsländern zu unterstützen, um ihnen Perspektiven vor Ort zu bieten. Kritische Stimmen verweisen hingegen darauf, dass es von vorneherein zielführender wäre die lokalen Perspektiven dieser Menschen nicht durch rücksichtlose Welthandelspraktiken zu zerstören.

Um das Thema Zusammenhänge zwischen Migration und Welthandel näher zu erläutern lud Bündnis 90/Die GRÜNEN Lahnstein zu einem offenen Gespräch. Als Referent konnte Sebastian Wichterich vom Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk (ELAN) gewonnen werden. Dieser erläuterte mit Hilfe zahlreicher Beispiele inwieweit aktuelle Welthandelsstrukturen Menschen in afrikanischen Ländern die Überlebensgrundlagen entziehen, sodass ihnen die Migration nach Europa häufig als die einzig verbleibende Perspektive erscheint.

Nach dem Vortrag des Referenten Wichterich war ausgiebig Gelegenheit dieses Thema zu diskutieren. Dabei äußerten einige Gesprächsteilnehmer ihr Unbehagen über die steigende Machtkonzentration im globalen Rohstoff-und Lebensmittelhandel und die damit einhergehende Priorisierung von Profiten über nachhaltige Existenzsicherung in ärmeren Ländern. „Solange wir die Länder Afrikas als billige Rohstofflager für unseren Wohlstand missbrauchen, werden die Migrationsbewegungen von dort eher ab- als zunehmen“, unterstrich Jutta Niel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündis 90/Die GRÜNEN im Lahnsteiner Stadtrat. Hans Rothenbücher vom Weltladen Lahnstein betonte die Rolle des fairen Handels als Alternative, die bestrebt ist allen Handelsteilnehmer*innen eine solide Existenzgrundlage und somit Perspektiven vor Ort zu erhalten.

Je mehr die sogenannten Entwicklungsländer ausgebeutet werden, desto mehr Menschen werden sich auf den Weg machen in ein „besseres“ Leben. Wer Menschen ihre Lebensgrundlage nimmt, sollte sich nicht wundern, wenn er diese Menschen eines Tages aufnehmen muss, so der GRÜNE Gerhard Schmidt zum Abschluss.